Kreatinin

Niere

Kreatinin & GFR — Dein Nierenfunktions-Check

Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt der Muskulatur und wird über die Nieren ausgeschieden. Zusammen mit der daraus berechneten GFR (Glomerulaere Filtrationsrate) zeigt er, wie gut deine Nieren arbeiten.

Was ist Kreatinin?

Kreatinin entsteht beim Abbau von Kreatin in deiner Muskulatur. Es wird mit relativ konstanter Rate produziert und fast ausschliesslich über die Nieren aus dem Blut gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden. Deshalb ist der Kreatinin-Spiegel im Blut ein guter Indikator für die Nierenfunktion.

Noch aussagekräftiger ist die GFR (Glomerulaere Filtrationsrate), die aus dem Kreatinin-Wert unter Beruecksichtigung von Alter, Geschlecht und Körpergewicht berechnet wird. Die GFR gibt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern koennen — normalerweise etwa 90-120 ml pro Minute.

Referenzwerte

GruppeReferenzbereich
Kreatinin Maenner0,7-1,3 mg/dl
Kreatinin Frauen0,5-1,1 mg/dl
GFR Stadium 1 (normal)über 90 ml/min
GFR Stadium 2 (leicht eingeschraenkt)60-89 ml/min
GFR Stadium 3 (maessig eingeschraenkt)30-59 ml/min
GFR Stadium 4 (schwer eingeschraenkt)15-29 ml/min
GFR Stadium 5 (Nierenversagen)unter 15 ml/min

Was bedeutet ein erhöhter Wert?

Ein erhöhtes Kreatinin (bzw. eine erniedrigte GFR) zeigt an, dass die Nieren nicht mehr optimal filtern. Wichtig: Das Kreatinin steigt erst an, wenn bereits ca. 50% der Nierenfunktion verloren sind — es ist also kein Fruehmarker.

Akute Ursachen: Starker Flüssigkeitsmangel (Dehydratation), bestimmte Medikamente (Ibuprofen, ACE-Hemmer, Antibiotika), Kontrastmittel bei CT-Untersuchungen, akute Infektionen. Chronische Ursachen: Diabetes mellitus (häufigste Ursache für chronische Nierenerkrankung), Bluthochdruck, Glomerulonephritis, Zystennieren. Harmloser Grund: Sehr große Muskelmasse oder intensiver Sport koennen das Kreatinin leicht erhöhen, ohne dass eine Nierenschaedigung vorliegt.

Was bedeutet ein niedriger Wert?

Ein niedriges Kreatinin findet sich häufig bei: Geringer Muskelmasse (aeltere Menschen, Bettlaegerigkeit, Kachexie), Schwangerschaft (erhöhte Nierenperfusion) und sehr schlanken Personen.

Ein niedriger Kreatininwert ist in der Regel kein Grund zur Sorge. Allerdings kann er dazu fuehren, dass die GFR überschätzt wird — die Nierenfunktion scheint dann besser als sie tatsaechlich ist. Bei aelteren, untergewichtigen Patienten sollte deshalb zusätzlich Cystatin C bestimmt werden, das unabhängig von der Muskelmasse ist.

Welche Symptome koennen auftreten?

Nierenerkrankungen verlaufen oft lange symptomlos — die Nieren haben große Reserven. Erst ab einer GFR unter 30 ml/min treten häufig Symptome auf:

Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit. Wassereinlagerungen (Oedeme), besonders an den Beinen und im Gesicht (morgens). Schaum im Urin (Hinweis auf Eiweissverlust). Veraenderte Urinmenge (mehr oder weniger als normal). Appetitlosigkeit und Übelkeit. Juckreiz am ganzen Körper. Bluthochdruck, der schwer einstellbar ist. Knochen- und Muskelschmerzen (durch gestörten Kalzium-Phosphat-Haushalt). Anaemie (Blaesse, Kurzatmigkeit) — die Nieren produzieren Erythropoetin für die Blutbildung.

Was du tun kannst

Die wichtigste Maßnahme ist die Kontrolle der Grunderkrankungen: Blutzucker und Blutdruck optimal einstellen (Ziel bei Diabetes: HbA1c unter 7%, Blutdruck unter 130/80 mmHg). Nierenschädliche Medikamente vermeiden — besonders Ibuprofen und Diclofenac bei eingeschraenkter Nierenfunktion. Ausreichend trinken (1,5-2 Liter pro Tag), aber bei fortgeschrittener Nierenerkrankung die Trinkmenge mit dem Arzt absprechen.

Eiweissreiche Diaeten koennen die Nieren zusätzlich belasten — bei GFR unter 60 ml/min eine massvoll eiweisshaltige Ernährung wählen. Rauchen aufhoeren: Nikotin verschlechtert die Nierendurchblutung. Regelmäßige Kontrollen: Ab einem Alter von 50 Jahren oder bei Risikofaktoren (Diabetes, Bluthochdruck, familiare Belastung) sollten Kreatinin und GFR jaehrlich kontrolliert werden.